3 3 - Parodontitis
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Parodontitis

Ihre Zähne haben ein Fundament!

Wir sehen von unseren Zähnen im Idealfall nur einen kleinen Teil: die Zahnkrone, umgeben vom Rand des Zahnfleisches. Doch der für die Stabilität verantwortliche Teil des Zahnes liegt in der Tiefe. Der gesunde Zahn ist mit seiner Wurzel fest im Kieferknochen verankert, an dem die Wurzeloberfläche über ein spezielles Kollagenfasersystem fixiert ist.

Der Zahnfleischrand ist als Übergangszone dieser Fasern auf die Mundschleimhaut anzusehen und sollte im optimalen Zustand nicht mehr als 1 mm in Richtung Wurzel hinabreichen (sogenannte „Taschentiefe“). Diese funktionelle Einheit aus Knochen, Befestigungsfasern und Zahnfleisch nennt man Zahnhalteapparat (oder Parodont). Das Parodont gleicht dem Fundament eines Hauses: Ist es kräftig und gesund, kann es alle einwirkenden Kräfte – z. B. beim Kauen – ableiten.
Ist es instabil, verliert auch der Zahn mit der Zeit an Halt.

Fazit: Ein Zahn ist also immer nur so gut wie sein Fundament.

Wie entsteht eine Erkrankung des Zahnhalte­apparates?

Wir nehmen regelmäßig mit der Nahrung Substanzen zu uns, die sich als Beläge (Plaque) an der Zahnoberfläche ablagern.

Wenn diese Beläge nicht regelmäßig durch sorgfältiges Zähneputzen entfernt werden, beginnen sie zu verkalken – es entstehen Zahnstein oberhalb bzw. Konkremente unterhalb des Zahnfleischrandes.

Ab diesem Zeitpunkt können wir selbst mit Zahnbürste oder Zahnseide nichts mehr ausrichten.

Was passiert bei Entzündungen?

Diese verkalkten Beläge sind ein idealer Nährboden für Bakterien.
Sie verursachen zunächst eine Entzündung des Zahnfleischrandes.

Typische erste Anzeichen sind:

  • Empfindliche Zahnhälse
  • Zahnfleischbluten (z. B. beim Zähneputzen)

Wenn nicht rechtzeitig behandelt wird

Bleibt eine solche Entzündung unbehandelt, kann sich das Zahnfleisch mit seinen Befestigungsfasern immer weiter von der Wurzel ablösen.
So entstehen tiefe Zahnfleischtaschen – oft über 10 mm –, aus denen sich Speisereste kaum mehr entfernen lassen. Bakterien können sich dort ungehindert weiter vermehren.

Das macht sich oft bemerkbar durch folgende Symptome:

  • Zahnfleischbluten
  • Rückgang des Zahnfleisches (Zähne wirken „länger“)
  • Wiederkehrende Schmerzen
  • Mundgeruch

Fortgeschrittene Parodontitis

Wird auch jetzt nicht eingegriffen, führen die von den Bakterien freigesetzten Giftstoffe zu einer Auflösung der Befestigungsfasern und des Kieferknochens.

Es entstehen nicht wieder gutzumachende Schäden am Fundament der Zähne.

Wir merken nun:

  • Eiteraustritt aus Zahnfleischtaschen
  • Stärkere Schmerzen
  • Bewegliche Zähne, die „wandern“
  • Bildung von Lücken
  • Schwierigkeiten beim Kauen

Solchermaßen geschädigte Zähne haben verständlicherweise keine hohe Lebenserwartung mehr.

In vielen Fällen fallen sie einer harten Brotrinde zum Opfer – oder müssen gezogen werden.

Ursachen

Die häufigste Ursache von Parodontitis (Entzündung des Zahnhalteapparates) ist also die mangelnde Zahnpflege. Es gibt jedoch noch andere begünstigende Faktoren:

  • Alte Füllungen oder schlechtsitzende Kronen, deren überstehender Rand eine Schmutznische bildet und schlecht gereinigt werden kann.
  • Fehlstellungen und Fehlbelastungen wie z.B. Zahnlücken (wodurch die übrigen Zähne stärker belastet werden).
  • Übermäßiger Zucker- und Kohlehydratkonsum führt zu verstärkter Plaquebildung.
  • Herabgesetzte Immunabwehr bei Stress, bei Diabetes, aber auch in der Schwangerschaft.
  • Rauchen und Nebenwirkungen von Medikamenten.

Untersuchungen haben ergeben, dass etwa 75% der erwachsenen Bevölkerung an solchen entzündlichen Erkrankungen des Zahnhalteapparats leiden. Neben der Gefahr des frühzeitigen Zahnverlustes hat die Parodontitis auch Auswirkungen auf den Gesamtorganismus: Ihr wird starker Einfluss auf die Entstehung von Arteriosklerose („Arterienverkalkung“) ebenso zugeschrieben wie eine erhöhte Neigung zu Herzinfarkt und Schlaganfall. Auch erhöhtes Frühgeburtenrisiko und Diabetes werden mit Parodontitis in Verbindung gebracht.

Wenn diese Beläge nicht regelmäßig durch sorgfältiges Zähneputzen entfernt werden, beginnen sie zu verkalken – es entstehen Zahnstein oberhalb bzw. Konkremente unterhalb des Zahnfleischrandes.

Ab diesem Zeitpunkt können wir selbst mit Zahnbürste oder Zahnseide nichts mehr ausrichten.

3 3 - Parodontitis

Besonders für Behandlungen wie Füllungen, Kronen oder aufwendigere Rekonstruktionen ist die Dentalhygiene der Grundstein.

Denn: Das Fundament muss zuerst gesund und stabil sein – bevor saniert werden kann.

Ein Auto wird schließlich auch zuerst gereinigt, bevor ein Teil der Karosserie erneuert werden kann.

Dentalhygiene: mehr als nur Zähneputzen

Das Aufgabengebiet des Zahnarztes im Bereich der Parodontalbehandlung hat sich in den letzten Jahren deutlich weiterentwickelt.

Unser Ziel ist es, nicht erst zu handeln, wenn bereits ein Schaden eingetreten ist, sondern gemeinsam mit Ihnen Erkrankungen frühzeitig zu erkennen und zu verhindern.

Wir können Ihnen im Rahmen unserer Dentalhygiene verloren gegangenes Gewebe – etwa abgebauten Kieferknochen – nicht wiedergeben, aber wir können eine vorhandene Entzündung stoppen und einen weiteren Rückzug von Zahnfleisch und Knochen verhindern.

Ablauf einer Dentalhygiene-Sitzung

Eine Dentalhygiene-Sitzung läuft bei uns etwa folgendermaßen ab:

  1. Messung der Zahnfleischtaschen
    Zuerst werden die Tiefen der einzelnen Zahnfleischtaschen vermessen – als Vergleichswerte für spätere Kontrollen.
  2. Erkennung von Problemstellen
    Besonders heikle Bereiche (z. B. unter Brücken) werden registriert und bei Bedarf durch Plaqueanfärbung sichtbar gemacht.
  3. Entfernung von Belägen
    Alle Beläge, Zahnstein und Konkremente werden sorgfältig entfernt.
  4. Politur der Zahnoberflächen
    Anschließend werden Zahn- und Wurzeloberflächen glattpoliert, um zukünftiger Belagsbildung vorzubeugen.
  5. Airflow-Behandlung (optional)
    Eine zusätzliche Entfernung von Verfärbungen mit speziellen Airflow-Geräten kann durch ihre aufhellende Wirkung auch ästhetisch sichtbare Verbesserungen bringen.

Auch im Rahmen der Parodontalen Therapie kann ein 3D-Status zur Beurteilung des Knochenabbaues sowie der Erhaltungswürdigkeit von Zähnen sinnvoll sein.

Speziell für Kinder (ab etwa dem 6. Lebensjahr) gibt es in der Dentalhygiene auch sog. Motivations-Sitzungen, wo ihnen primär der richtige Umgang mit der Zahnbürste und -seide gezeigt wird, um ihnen später ein möglichst kariesfreies Gebiss zu erhalten.

Häufig gestellte Fragen zu Parodontitis

Was ist Parodontitis und wie entsteht sie?

Parodontitis ist eine chronische Entzündung des Zahnhalteapparats – also des Gewebes, das die Zähne im Kiefer verankert. Sie beginnt meist mit einer Zahnfleischentzündung (Gingivitis) durch bakterielle Zahnbeläge (Plaque). Wenn diese nicht entfernt werden, breitet sich die Entzündung in die Tiefe aus und greift den Kieferknochen an. Es bilden sich Zahnfleischtaschen, in denen sich Bakterien ansiedeln. Unbehandelt führt dies zum fortschreitenden Knochenabbau und letztlich zur Lockerung und zum Verlust der Zähne. Parodontitis ist eine der häufigsten chronischen Erkrankungen weltweit – etwa jeder zweite Erwachsene über 35 Jahre ist betroffen.

Welche Symptome deuten auf Parodontitis hin?

Tückischerweise verläuft Parodontitis oft lange schmerzfrei. Warnsignale sind: Zahnfleischbluten beim Zähneputzen oder spontan, gerötetes, geschwollenes oder zurückweichendes Zahnfleisch, länger wirkende Zähne durch Zahnfleischrückgang, Mundgeruch oder schlechter Geschmack trotz Mundhygiene, gelockerte oder wandernde Zähne, Eiteraustritt aus den Zahnfleischtaschen, oder Zahnlücken, die vorher nicht da waren. Viele Menschen denken, Zahnfleischbluten sei normal – das ist es nicht! Selbst gelegentliches Bluten sollte zahnärztlich abgeklärt werden, da es oft ein frühes Anzeichen ist.

Wer hat ein erhöhtes Risiko für Parodontitis?

Bestimmte Faktoren erhöhen das Risiko deutlich: Rauchen ist der wichtigste beeinflussbare Risikofaktor – Raucher haben ein 5-6-fach erhöhtes Risiko. Diabetes erhöht das Risiko ebenfalls stark, besonders bei schlechter Blutzuckereinstellung. Genetische Veranlagung spielt eine Rolle – wenn Ihre Eltern betroffen waren, ist Ihr Risiko höher. Weitere Faktoren sind: Übergewicht, einseitige Ernährung, Zähneknirschen, unregelmäßige Mundhygiene, bestimmte Medikamente (z.B. manche Blutdrucksenker) oder hormonelle Veränderungen (Schwangerschaft). Auch Stress und ein geschwächtes Immunsystem begünstigen die Erkrankung.

Wie wird Parodontitis diagnostiziert?

Die Diagnose erfolgt durch eine gründliche zahnärztliche Untersuchung. Mit einer speziellen Sonde (Parodontalsonde) wird die Tiefe der Zahnfleischtaschen an jedem Zahn gemessen – gesundes Zahnfleisch hat Taschentiefen von maximal 3 Millimetern. Bei Parodontitis sind die Taschen tiefer, oft 4-10 Millimeter oder mehr. Zusätzlich wird geprüft, ob das Zahnfleisch blutet und ob Zähne gelockert sind. Röntgenaufnahmen zeigen das Ausmaß des Knochenabbaus. Ein Bakterientest kann bei aggressiven Formen sinnvoll sein. Anhand dieser Befunde wird die Schwere der Parodontitis eingestuft und ein Behandlungsplan erstellt.

Wie wird Parodontitis behandelt?

Die Behandlung erfolgt in mehreren Schritten. Zunächst die Vorbehandlung: professionelle Zahnreinigung, Mundhygienetraining und Beseitigung von Zahnstein. Dann folgt die systematische Parodontitistherapie: Unter lokaler Betäubung werden die Zahnfleischtaschen gründlich gereinigt, Beläge und Bakterien von den Wurzeloberflächen entfernt (Deep Scaling und Root Planing). Dies kann mechanisch mit Handinstrumenten oder Ultraschall erfolgen. Bei tiefen Taschen oder aggressiven Formen können Antibiotika oder alternativ eine Laserbehandlung unterstützend eingesetzt werden. In fortgeschrittenen Fällen sind manchmal chirurgische Maßnahmen nötig, um tiefe Taschen zu beseitigen oder Knochen aufzubauen. Nach der Behandlung sind regelmäßige Nachsorge-Termine entscheidend.

Ist die Behandlung schmerzhaft?

Die meisten Behandlungsschritte erfolgen unter örtlicher Betäubung, sodass Sie während der Therapie keine Schmerzen verspüren. Nach dem Abklingen der Betäubung kann es zu leichten Beschwerden, Empfindlichkeit der Zähne oder einem Spannungsgefühl im Zahnfleisch kommen – dies ist normal und klingt meist innerhalb weniger Tage ab. Schmerzmittel wie Ibuprofen helfen bei Bedarf. Die Empfindlichkeit der freiliegenden Zahnhälse kann anfangs zunehmen, bessert sich aber meist mit der Zeit. Insgesamt ist die Behandlung gut erträglich, und die meisten Patienten empfinden deutlich weniger Beschwerden als befürchtet.

Kann Parodontitis geheilt werden oder kommt sie immer wieder?

Parodontitis ist eine chronische Erkrankung, die nicht im klassischen Sinne „geheilt“ werden kann – aber sie lässt sich sehr gut kontrollieren und zum Stillstand bringen. Nach erfolgreicher Behandlung können die Entzündung gestoppt, Taschentiefen reduziert und der Knochenabbau aufgehalten werden. Der Schlüssel zum langfristigen Erfolg ist die konsequente Nachsorge: regelmäßige professionelle Zahnreinigungen (alle 3-6 Monate), gründliche häusliche Mundhygiene und die Ausschaltung von Risikofaktoren. Ohne diese Erhaltungstherapie kommt es bei etwa 80% der Patienten zu Rückfällen. Mit guter Nachsorge bleiben die meisten Patienten aber stabil.

Welche Auswirkungen hat Parodontitis auf die allgemeine Gesundheit?

Parodontitis beschränkt sich nicht nur auf den Mund – sie kann den ganzen Körper beeinflussen. Die chronische Entzündung und die Bakterien können in die Blutbahn gelangen. Wissenschaftlich belegt sind Zusammenhänge mit: erhöhtem Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall, schlechterer Einstellung bei Diabetes (umgekehrt verschlechtert Diabetes die Parodontitis), erhöhtem Risiko für Frühgeburten und niedriges Geburtsgewicht bei Schwangeren, möglichem Zusammenhang mit Alzheimer-Erkrankung und rheumatoider Arthritis. Die gute Nachricht: Eine erfolgreiche Parodontitis-Behandlung kann diese Risiken reduzieren und die Allgemeingesundheit verbessern.

Was kann ich selbst tun, um Parodontitis vorzubeugen oder zu stoppen?

Ihre Mitarbeit ist entscheidend! Die wichtigsten Maßnahmen: Putzen Sie mindestens zweimal täglich gründlich die Zähne (2-3 Minuten). Verwenden Sie täglich Zahnseide oder Interdentalbürsten – 80% der Bakterien sitzen in den Zahnzwischenräumen! Nutzen Sie eventuell eine elektrische Zahnbürste. Gehen Sie mindestens zweimal jährlich zur Kontrolle und professionellen Zahnreinigung. Hören Sie mit dem Rauchen auf – das ist die wichtigste Einzelmaßnahme. Achten Sie auf ausgewogene, vitaminreiche Ernährung. Lassen Sie Diabetes gut einstellen. Reduzieren Sie Stress. Verwenden Sie bei Bedarf antibakterielle Mundspülungen (nach Rücksprache). Mit diesen Maßnahmen können Sie Ihr Risiko deutlich senken.

Was passiert, wenn Parodontitis nicht behandelt wird?

Unbehandelte Parodontitis schreitet kontinuierlich fort, meist schubweise. Der Knochen baut sich immer weiter ab, die Zähne verlieren ihren Halt und werden locker. Irgendwann müssen sie entfernt werden oder fallen von selbst aus. Der Zahnverlust erfolgt oft schleichend über Jahre – erst einzelne Zähne, dann zunehmend mehr. Parodontitis ist die häufigste Ursache für Zahnverlust bei Erwachsenen. Zusätzlich bestehen die gesundheitlichen Risiken für den gesamten Körper fort. Die gute Nachricht: Selbst bei fortgeschrittener Parodontitis lohnt sich eine Behandlung noch! Je früher Sie beginnen, desto mehr Zähne können Sie retten. Jeder erhaltene Zahn ist wertvoll.

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Gründliche Reinigung unter dem Zahnfleischrand

Dentalhygiene mit Deep Scaling

In Fällen, wo sich bereits tiefe Zahnfleischtaschen gebildet haben, ist (meist in einer weiteren Sitzung) auch eine sog. Kürettage derselben angezeigt.

Dabei wird das abgestorbene Zahnhaltegewebe entfernt (ausgeschabt), um dem gesunden Gewebe eine Abheilung durch die Beseitigung der Entzündungsgrundlage zu ermöglichen.
Diese Therapie wird ab einer bestimmten Tiefe meist unter lokaler Betäubung durchgeführt.

Laseraktivierte Desinfektion

Bei der LAD oder photodynamischen Parodontitis-Therapie wird eine fotoaktive Substanz in die Zahnfleischtaschen eingebracht, die sich an die Bakterienoberfläche anheftet. Durch die Lichtaktivierung dieser Substanz werden dann freie Sauerstoff-Radikale direkt am Erreger freigesetzt und dieser dadurch zerstört.

Vorteile der laseraktivierten Desinfektion:

  • Die Behandlung ist komplett schmerzfrei, es gibt keinerlei Nebenwirkungen, wie das bei Antibiotika üblich ist.
  • Die Therapie erfolgt in einer einzigen Sitzung.
  • Die Wirkung setzt – im Gegensatz zur Antibiotikatherapie – sofort ein und die Symptome gehen zurück.
  • Es werden alle schädlichen Bakterien gleichzeitig eliminiert, genauso Viren und Pilze.
  • Die Behandlung kann jederzeit wiederholt werden, es bilden sich keinerlei Resistenzen.
  • Meistens kann dadurch auf Antibiotika verzichtet werden.
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Schonende Lasertherapie zur Desinfektion

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Petrischale mit Bakterienkultur und Antibiotika-Test

Dentalhygiene mit antibiotischer Therapie

In schwersten Fällen kann als unterstützende Maßnahme auch eine antibiotische Therapie vonnöten sein.

In diesem Fall wird zuerst ein Abstrich aus den Zahnfleischtaschen vorgenommen, um die spezifischen Bakterien zu identifizieren und danach mit den jeweils wirksamsten Medikamenten zu eliminieren.