5.2 Die Wurzelspitzenresektion

Was ist eine Wurzelspitzenresektion ?

Meist gibt es hier eine längere Vorgeschichte, die zu einem solchen Eingreifen führt. Auslöser ist in allen Fällen ein nervtoter Zahn, der entweder nur abgestorben oder bereits wurzelbehandelt ist. Im Inneren eines jeden Zahnes befinden sich im gesunden Zustand Nerven und Blutgefässe. Wenn der Zahn, aus welchen Gründen auch immer, abgestorben ist, muss dieses tote Gewebe im Rahmen einer sog. "Wurzelbehandlung" entfernt werden, d.h. die feinen Wurzelkanäle im Inneren der Wurzel werden gesäubert und schließlich mit einer körperverträglichen, unlöslichen Masse dicht verschlossen, um dort eingedrungenen Keimen keine Möglichkeit und keinen Raum zur Vermehrung zu bieten. Geschieht die Entfernung oder diese Abdichtung nur unvollständig, und vermehren sich die vorhandenen Bakterien, so beginnen diese, über die Wurzelspitze in den Kieferknochen auszuwandern.

Dort bildet sich ein sog. "Eiterherd", auch als "radikuläre Zyste" bezeichnet, der mitunter beträchtliche Dimensionen annehmen kann. Da die weißen Blutkörperchen der Immunabwehr nicht mehr in den toten Zahn hineinkönnen (da der ja nicht mehr am Blutgefäßsystem „hängt“), bildet der Körper als Abschirmung diese Zyste um den Ausgangspunkt des Übels, um die Wurzelspitze. Es besteht jedoch für ihn keine Chance, die Ursache, die Keime im toten Zahn, zu beseitigen, seine Therapie ist sozusagen nur symptomatisch. Der Eiterherd ist als chronischer Entzündungsherd anzusehen, der jedoch ohne weitere Vorwarnung von einem Tag auf den anderen akut werden kann. Akut heißt: Schmerzen, ausgelöst durch den Druck des eingeschlossenen Eiters, verbunden mit Schwellung bis zur Abszessbildung, welche unbehandelt sogar lebensbedrohliche Ausmaße annehmen kann.

Um dieser unangenehmen Erfahrung vorzubeugen, sollten derartige Eiterherde entfernt werden. Abgesehen vom akuten Zustandsbild sind Herde jedoch auch aus allgemeinmedizinischen Gesichtspunkten in jedem Fall ein Sanierungsgrund: Die darin enthaltenen Bakterien können in andere Organe und Gewebe "streuen", d.h. über den Blutweg in z.B. Niere, Gelenke oder Herz verschleppt werden und dort Schäden hervorrufen.
Im Rahmen der Operation werden alle Gewebe entfernt, die den ursächlichen Bakterien als Lebensgrundlage dienen könnten. Meist ist die Wurzelspitzenresektion der letzte Versuch, einen Zahn noch zu retten, doch wie schon die Wurzelbehandlung selbst ist auch sie eben nur ein Versuch. Die Erfolgsrate liegt, je nach Lokalisation des Zahnes, bei 70-95%.